Makroaufnahme einer Raubfliege mit Wassertropfen auf einer Blüte, Garten bei Frankfurt, August 2026

Jäger im Perlenmantel

Eine Raubfliege, übersät mit Wassertropfen, und ich ganz nah dran. Raubfliegen sind Jäger im Miniaturformat: Sie schnappen sich andere Insekten im Flug und halten sie mit ihren bedornten Beinen fest. Dieses Exemplar, eine Raubfliege aus der Familie der Asilidae, vermutlich Tolmerus atricapillus, saß im August in unserem Garten bei Frankfurt und hielt lange genug still für diese Porträts.

Makroaufnahme einer Raubfliege mit Wassertropfen auf einer Blüte, Garten bei Frankfurt, August 2026
Frontal blickt die Raubfliege direkt in die Kamera. Wassertropfen perlen auf Rückenschild und Augen, die orangebraunen Beine mit ihren Dornen sind wie zum Zugriff angewinkelt.

Technisch ist das Bild ein Fokus-Stack aus 40 Einzelaufnahmen, entstanden mit einem Fuji 55-200 und einem Raynox 250. Bei dieser Vergrößerung ist der scharfe Bereich nur Bruchteile eines Millimeters dick, deshalb wird die Schärfeebene in winzigen Schritten durch das Motiv geschoben und später zu einem durchgehend scharfen Bild verrechnet. So bleiben Facettenaugen, Borsten und Tropfen scharf, während der Hintergrund weich verschwimmt. Gerade bei Raubfliegen lohnt sich der Aufwand: Hinter dem unscheinbaren Äußeren verbergen sich kräftige Dornen an den Beinen, ein dichter Bart im Gesicht und riesige Augen, die ganz auf die Jagd ausgelegt sind.

Makroaufnahme einer Gemeinen Wespe (das ist der Name der Gattung) auf dem Boden, nach einem Regen

Die Gemeine Wespe ganz nah

Eine Wespe kennen wir alle – doch wie sieht sie aus, wenn man ihr ganz nahekommt? Die Makrofotografie eröffnet einen faszinierenden Blick in eine Welt voller feinster Strukturen und überraschender Details. Die zehn Aufnahmen zeigen eine Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) in beeindruckender Nähe und Schärfe.

Besonders auffällig ist das Gesicht: Auf dem gelben Stirnschild zeichnet sich der charakteristische schwarze „Anker“ ab. Er ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal der Gemeinen Wespe und unterscheidet sie von der Deutschen Wespe, die an dieser Stelle schwarze Punkte trägt. Auch die drei kleinen Punktaugen, die sogenannten Ocellen, sind auf den Aufnahmen deutlich zu erkennen.

Doch hinter dem markanten Äußeren steckt ein äußerst nützliches Tier. Die Gemeine Wespe ist in Mitteleuropa weit verbreitet und hilft dabei, das natürliche Gleichgewicht zu erhalten. Ein Wespennest kann täglich Tausende Mücken, Fliegen, Raupen und andere Insekten erbeuten. Nebenbei besuchen Wespen Blüten und tragen so zur Bestäubung bei.

Erst im Spätsommer werden sie für uns häufiger zur Plage. Wenn die Larvenaufzucht endet, suchen die Arbeiterinnen verstärkt nach Zucker – und finden ihn auf Kuchen, Obst oder in unseren Getränken.

Wer genau hinsieht, entdeckt statt eines lästigen Insekts ein erstaunlich komplexes und faszinierendes Geschöpf.